Im Oktober 1988 wurde die Beratungsstelle Kassandra in den Räumlichkeiten des Kursalons Mödling eröffnet. Als erste arbeitsmarktpolitische Frauen- und Mädchenberatungsstelle in Niederösterreich hatte sie einen besonderen Status, der dazu führte, dass im Verein Kassandra in den folgenden Jahren zwei Pilotprojekte installiert werden konnten.
Johanna Dohnal, damalige Staatssekretärin für Frauenfragen, finanzierte im Rahmen der Aktion "Töchter können mehr" technische Vorbereitungskurse für Mädchen in Mödling und Niederösterreich. Weiters entschloss sie sich als Frauenministerin für eine Cofinanzierung der Beratungstätigkeit, die über arbeitsmarktpolitische Belange hinausging - damit eröffneten wir im Juni 1992 die erste Frauenservicestelle Österreichs.
Im Zuge der Ausgliederung des Arbeitsmarktservice wurde Mitte der Neunzigerjahre an den arbeitsmarktpolitischen Angeboten von Kassandra der Sparstift rigoros angesetzt: Einerseits wurde die Förderung des Projekts "Technik und Werken" nach 5 Jahren erfolgreicher Arbeit eingestellt. Und im April 1997 musste dann auch die arbeitsmarktpolitische Beratungsstelle geschlossen werden.
Trotz der in den darauf folgenden Jahren geringen finanziellen
Ressourcen stand das Interesse, die Frauenberatungsstelle den Frauen und
Mädchen des Bezirks erhalten zu können, im Vordergrund. Ein engagiertes
zusammenarbeiten einzelner Frauen und die anhaltende Nachfrage nach
unseren Angeboten bestärkten uns in unserem Weg.
Im Sommer 2000 konnten wir durch die Anerkennung als
Familienberatungsstelle das Beratungsangebot für Frauen und Mädchen nach
langen Jahren wieder ausbauen.
Die inhaltlichen Schwerpunkte haben sich in den vergangenen 20 Jahren
stark verändert. In den Anfangsjahren standen Anfragen und Angebote rund
um den Arbeitsmarkt im Zentrum - dazu zählten etwa Deutschkurse für
Migrantinnen, Goldschmiedeworkshops und Bewerbungstrainingskurse.
Seit etwa 10 Jahren sind wir jedoch in unserer alltäglichen Arbeit
steigend mit der Problematik der Armutsgefährdung von Frauen sowie deren
Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit konfrontiert.
Den größten Arbeitsschwerpunkt stellt jedoch das hohe Ausmaß an Gewalt
in der Familie/Paarbeziehung dar. Mehr als 80% der Frauen, die sich
bezüglich Scheidung/Trennung an uns wenden, sind von physischer, psychischer
und/oder sexueller Gewalt betroffen.
Zu dem Themenschwerpunkt "Gewalt gegen Frauen" bieten wir daher neben der Beratung auch Sensibilisierungsmaßnahmen für die Öffentlichkeit an. Dazu zählen etwa die Organisation von fachspezifischen Veranstaltungen, Weiterbildungsmaßnahmen für Multiplikatorinnen sowie Pressearbeit.
2007 gab es 2767 Beratungskontakte mit 907 Frauen. Im ersten Halbjahr 2008 zählen wir eine Zunahme von etwa 9% bei den Beratungsanfragen. Gleichzeitig stehen wir vor der Situation, dass die vorhandenen finanziellen und personellen Ressourcen bei Weitem nicht mehr ausreichen, um auf die Beratungsanfragen im notwendigen Ausmaß reagieren zu können. Dazu bedarf es in Zukunft zumindest einer Verdoppelung der finanziellen Ressourcen.
Am 10.12.2009 wurde Anneliese Erdemgil-Brandstätter für den langjährigen Einsatz für Frauenrechte und für die Früherkennung von Gewalt im Gesundheitswesen der 1. Frauenpreis der Stadt Mödling verliehen.

